SCR- Rennrodeln
Geschichte
Rodel-Geschichte in Werdenfels Der Schlitten als Kulturgut Der "Schlitten" – erst viel später kam das Wort "Rodel" in Gebrauch – war über Jahrhunderte das wichtigste Verkehrsmittel im Winter. Und vor der Nutzung von Rädern auch im Sommer. Noch heute sind vielfach in bergigen Gegenden „Schleifwägen“ in Gebrauch: Vorne eine Achse mit zwei Rädern, hinten wird auf dem Boden geschliffen. Aus dem winterlichen Schlittenfahren, beispielsweise mit Hornschlitten für den Holz- und Heutransport, entwickelten sich drei Sportarten: Bob, Skeleton und Rennrodel. Die ersten "sportlichen" Rodler benutzten Schlitten, die unseren heutigen Freizeitrodeln, den sogenannten „Davoser Rodeln“, sehr ähnlich waren. Rodelwettfahrten auf Bergstraße, Waldwegen und Wiesen erfreuten sich vor der Jahrhundertwende nicht nur in den Alpenländern, sondern auch in Nordamerika und Skandinavien großer Beliebtheit. Von den Indianern werden bis heute Schlitten ("Toboggan") verwendet, die aus einem vorne aufgebogenem Brett gebaut werden. Die Skandinavier verwenden Rentier- oder Hundeschlitten. Heimat des "sportlichen Rodelns" sind trotz der vielfältigen Schlitten in aller Welt ohne Zweifel die Alpenländer. Rodelveranstaltungen, die meist gesellschaftlichen Charakter hatten, fanden über die Jahrhunderte durchweg auf Schneebahnen statt. Mondscheinrodeln und Maskenschlittenfahrten waren oftmals gesellschaftliche Höhepunkte des Jahres. Rennrodeln als Sport 1883 fand in Davos/Schweiz das erste internationale Rodelrennen statt, das „aktenkundig“ ist. Die Entwicklung des "sportlichen Rodelns" nahm ihren Lauf. Im Jahre 1910 wurde in Reichenberg (damaliges Böhmen) eine Rodelbahn errichtet, die auf 3000 Metern sechs überhöhte Kurven hatte. Um die vielen Rodelabfahrten bewältigen zu können, begann man, diese Kurven zu vereisen und machte sie somit "haltbarer". Diese Methode auf Eis statt auf Schnee zu fahren hat sich im Rennsport durchgesetzt, auf der Naturbahn eben so wie auf der Kunstbahn. Im Jahr 1907 wurde die erste Bobbahn in Bad Kohlgrub von Münchner Sportbegeisterten errichtet. Einschließlich Wasserleitung und Teich. Damals wurde mit lenkbaren Holzschlitten für 5 Personen „Schlitten gefahren“. Mit dem Auftransport verdienten sich örtliche Bauern mit ihren Zugtieren ein kleines Zubrot. Im Jahr 1909 wird am Kurhaus in Bad Kohlgrub das erste deutsche Bobrennen gefahren. Bereits im Jahr 1910 folgt auf einer 1.500 Meter langen neu errichteten Bahn das erste Bobrennen am Riessersee in Garmisch, ausgetragen von 7 örtlichen Teams. Nach dem 1.Weltkrieg wird am 12.Oktober 1920 der Sportclub Riessersee in Garmisch gegründet. Am 20.12.1920 fand am Riessersee wieder das erste Bobrennen nach dem 1. Weltkrieg statt. Mit der Winterolympiade 1936 in Garmisch-Partenkirchen und dem Bob-Erfolg bei der Winterolympiade 1952 in OSLO breitete sich die Begeisterung für den Schlitten- und Bobsport über die Dörfer des Werdenfelser Landes aus. Eschenlohe und Ohlstadt bauten schon in den 30er Jahren die ersten eigenen Bobbahnen mit überhöhten Kurven auf. In beiden Dörfern kann man Teilstrecken der alten Bahnen und Kurven noch in der Landschaft erkennen. Nach dem 2. Weltkrieg existierten Bahnen in Garmisch (Bobbahn und Christelhütte), Eschenlohe (Haid), Schlehdorf (Raut), Unterammergau (Pürschling), Ohlstadt (Ram) und am Walchensee. Elisabeth Demleitner vom SV Schlehdorf wurde 1971 Weltmeisterin und fuhr von 1970 bis 1979 in der Weltspitze. Die Rennrodelabteilung des SCR wurde 1949 gegründet. Erster Abteilungsleiter war Rudolf Maschke (1949-1954), Rennrodel-Europameister 1952 und vierfacher Deutscher Meister. Ihm folgte Arthur Rademacher (1954-1975), der 1960 die 5. Rennrodel-Weltmeisterschaft an den Riessersee holte. Wolfgang Dietrich (1975-1988) initiierte als Abteilungsleiter den Mitropa-Cup, und Peter Rühl (1988-heute) holte die ersten Weltcup-Rennen nach Garmisch Partenkirchen. Peter Rühl war selbst mehrfacher Bayerischer und Deutscher Meister. Weitere Medaillen und Titel holten in den letzten Jahrzehnten Horst Rau, Anton Ostler, Ludwig Nöhmeier sen., Reinhard Ott, Ernst Buchwieser, Ludwig Nöhmeier jun., Ursula Nöhmeier, Anton Maurer, Patrick Clemens und Björn Kierspel, um nur einige zu nennen. Das waren seit 1950 mehr als 150 Medaillen, Titel und Pokal-Siege. Kunstbahn seit 1969 Die erste Weltmeisterschaft im Rennrodeln fand 1955 statt. Als erkennbar wurde dass Rennrodeln 1964 in Innsbruck olympisch wird, stieg die DDR in den Sport ein. Ab 1962, als Thomas Köhler und Ilse Geisler Weltmeister wurde, fuhren die DDR-Rodler bis zur Wende 1989 durchweg in der Weltspitze. 1964 existierte noch keine förmliche Trennung in Kunstbahn und Naturbahn. In den 60er Jahren hatten nur die Bobbahnen in Ohlstadt und am Riessersee die Charakteristik einer Kunstbahn mit überhöhten Kurven, während in Unterammergau (Pürschling), in Schlehdorf und am Eibsee (Christelhütte) auf flacher Bahn mit Holzbande als Sicherung in den Kurven gefahren wurde. Auf allen Bahnen, auch auf den Bobbahnen, wurde damals mit Hilfssteuerung per ausgestreckter Hand und mit Bremsstellen gefahren. Den Zuschlag für die erste Kunsteisbahn der Welt erhielt 1967 vor Ohlstadt die bereits bestehende Kunstbahn am Königsee (Eröffnung als Kunsteisbahn 1969). Die DDR zog 1971 mit Oberhof nach. Die Bayerischen Meisterschaften im Rennrodeln wurden von 1969 bis 1975 abwechselnd auf einer „Kunstbahn“ und auf einer „Naturbahn“ ausgetragen, die Deutschen Meisterschaften abwechselnd in Königsee und Schlehdorf (1971, 1973), dann wurde diese Praxis aufgrund der Spezialisierung der Athleten beendet. Das Sportgerät und das geltende Regelwerk kannten bis 1969 keine Unterschiede zwischen Kunstbahn und Naturbahn, obwohl die Trennung mit Olympia und dem Bau von Kunsteisrodelbahnen ab 1964 statt fand. Noch bei der Rennrodel-Weltmeisterschaft 1960 auf der Olympia-Bobbahn in Garmisch-Partenkirchen fuhr man auf Natur-Eis und es war regelkonform, auf starren „Davoser-Schlitten“ mit einer 5 Meter langen Schleppstange zu steuern, die der Fahrer unter dem Arm nachzogen, was die Norweger auch so taten. Folgerichtig wurde vom INTERNATIONALEN RENNRODELVERBAND (FIL) im Jahr 1969 eine Trennung in die Kategorie „Kunstbahn“ und „Naturbahn“ vorgenommen. Sämtliche bis dahin durchgeführten Welt- und Europameisterschaften, die größtenteils auf Naturbahnen gefahren worden waren, wurden als Kunstbahnmeisterschaften gewertet. Der olympische Sport Rennrodeln wollte seine Ahnen-Reihe bewahren, irgendwie verständlich. Die Naturbahn überlebt Aufgrund dieser Entwicklung wurde 1970 in Kapfenberg (Österreich) die 1. Europameisterschaft auf Naturbahn veranstaltet. Im Jahre 1979 fand die 1. Weltmeisterschaften auf Naturbahn in Inzing/Österreich statt. 1992 wurde der Weltcup auf Naturbahn ins Leben gerufen, der jährlich mit sechs Rennen und einem Gesamtergebnis durchgeführt wird. Vorgänger dieses Weltcups waren das Drei-Länder-Rennen (1975/76-1979/80) und der „Mitropa-Cup“ (1980/81-1987/88), mit den Orten Garmisch-Partenkirchen (Deutschland), Feld/See (Österreich), Völs (Südtirol) und Jecenice (Slowenien). Für einige Jahre gab es zusätzlich den Großen Preis von Deutschland und den Großen Preis von Österreich (1989 in Trins) Der SCR hatte seine erste Rodelbahn am Grasberg, dann von der Toni-Hütte, ab 1964 wurde bei der Christelhütte an der Eibsee-Straße gefahren und ab 1986 am Kainzenbad. Welt-Cup-Rennen in den Jahren 1997, 2000, 2004, Europameisterschaft im Jahre 1989, die FIL-Jugendspiele 1993 und die 5. Welt-Junioren Meisterschaften 2006 lautet die stolze Bilanz. Im Februar 2006 wurde die Streckenführung verbessert. Der Naturbahnsport ist über den Internationalen Rennrodelverband (FIL) nach wie vor mit dem Kunstbahnsport (sowie mit Skeleton und Hornschlitten) verbunden. Als nicht-olympische „Randsportart“ sind die finanziellen und personellen Mittel begrenzt. Alle Bemühungen den Naturbahnsport bei den Olympischen Winterspielen als Disziplin zu etablieren sind bisher gescheitert. Allerdings werden nach jedem Rückschlag stets neue Beschlüsse gefasst und neue Taktiken ersonnen, die „Festung Olympia“ doch noch zu erstürmen. 1883 : Erstes internationales Rodelrennen in der Schweiz 1912 : 1. Deutsche Meisterschaft Rennrodel 1955 : 1. Weltmeisterschaft Rennrodel in Norwegen 1960 : 5. Weltmeisterschaft Rennrodel in Garmisch-Partenkirchen 1964 : Erstmals Disziplin bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck 1968 : Bau der ersten Kunsteisbahn weltweit am Königsee (BRD) 1971 : Bau der zweiten Kunsteisbahn weltweit in Oberhof (DDR) 1989 : Aufnahme des Mannschaftswettbewerbs als neue Disziplin neben Herren- und Damen-Einsitzer und Herren Doppel